The Boys are back in Town: Junggesellenabschied in London

Junggesellenabschiede haben sich, obwohl es sich dabei ursprünglich um eine ziemlich britische Angelegenheit handelt, zu einem festen Hochzeitsbrauch in Deutschland entwickelt. Doch warum sollte man immer nur die deutschen Metropolen ansteuern, dort mehr oder weniger spaßige Dinge wie „Schnäpse verkaufen“ tun, wenn es auch in einer der schönsten Metropolen der Welt geht? Der folgende Artikel zeigt, wie eine solche „Stag Party“ absolut unvergesslich werden kann, selbst wenn dabei „britische“ Mengen an Alkohol fließen.

The Boys are back in Town: Junggesellenabschied in London
London ist vielleicht die schönste Stadt für einen Junggesellenabschied – sicher aber exklusiver als die „German Classics“. fotolia.com © Syda Productions

Step 1: Die Anreise

Bei einem Junggesellenabschied soll der Partyspaß maximal sein und die Reisephasen minimal. Natürlich könnte man mit dem Auto via Fähre oder Eurotunnel nach London gelangen. Das würde aber in diesem Party-Umfeld unverhältnismäßig lange dauern. In Zeiten der Billig-Airlines gibt es jedoch eine wesentlich schnellere und dabei pro Person extrem günstige Variante. Ryanair etwa verlangt von den meisten deutschen Airports aus keine 20 Euro pro Fluggast – einfache Strecke versteht sich. Ähnlich sieht es auch bei anderen Billigfliegern wie Eurowings aus.

Allerdings sollte man sich dessen bewusst sein, dass gerade Ryanair nicht direkt in London landet, sondern auf dem Stansted Airport, der 55 Kilometer und mit dem Stansted Express etwa eine dreiviertel Stunde Fahrtzeit entfernt liegt.

Die Bond-Tour ist nicht nur eine Erweiterung der Sehenswürdigkeiten, sondern es wird auf der Themse buchstäblich Gummi gegeben. fotolia.com © L. Shat

Step 2: Unterkunft

Optimal ist es, wenn man so timt, dass die Junggesellengruppe morgens oder vormittags in der Stadt eintrifft. Der erste Schritt sollte der Bezug der Unterkunft sein. Da diese in den meisten Fällen nur für eine Nacht bezogen wird – wenn die feiernde Truppe überhaupt ins Bett geht – empfiehlt es sich, nicht auf die zahllosen B&Bs zu setzen, sondern auf günstige Hotels, vor allem die der großen Ketten, oder gleich auf Hostels. Hier seine Sachen abzulegen und sich kurz frisch zu machen ist eines und dann kann es auch direkt losgehen in den Junggesellenspaß.

Step 3: Sehenswürdigkeiten komprimiert

Es gibt einige Dinge, die muss man einfach gesehen haben, wenn man in London ist – selbst wenn es sich um einen Partytrip handelt. Folgende Sehenswürdigkeiten sind auch junggesellentauglich und lassen sich gut miteinander verbinden:

1. Eine Fahrt mit dem London Eye – alleine schon wegen der grandiosen Aussicht.

2. Ein Gang über den Glasboden der Tower Bridge. Die Brücke selbst ist schon ein Muss, der Glasboden hingegen eine echte Mutprobe, die man definitiv auf nüchternen Magen erleben sollte.

3. Anschließend wäre es eigentlich an der Zeit, zur vollen Stunde vor dem Big Ben die weltberühmten Schläge seines Glockenwerks anzuhören – allerdings wird die Uhr gerade grundsaniert, was wohl leider auch noch einige Jahre dauern wird. Macht aber nichts, denn die Tower-Bridge hat auch noch ein weiteres Highlight:

4. Denn die Brücke ist eben auch eine ziemlich alte Hebebrücke. Und der Maschinenraum steht Besuchern offen – kein lapidarer Touristenfang, denn die Brücke würd durch eine ziemlich alte, ziemlich imposante Mechanik angetrieben, die Technikfans jeden Alters in ihren Bann zieht.

Sofern die Partygemeinde dann gesättigt ist, kann der kulturelle Teil als beendet angesehen werden und es beginnt der wirkliche Junggesellenabschied.

Step 4: James Bond – auf der Themse

Und was wäre da ein besserer Einstieg, als sich auf den Spuren der vielleicht berühmtesten britischen Filmfigur zu bewegen. Denn 007 hat in mehr als einem Film London unsicher gemacht – darunter auch auf der Themse. Genau das nutzt die Speed-Boot-Tour Themse Rush aus. Was nur dem Anschein nach wie eine harmlose Bootstour auf Londons Wasserader klingt, ist in Wahrheit ein 45-minütiger Adrenalinrausch, bei dem die Partygesellschaft mit einem üppig motorisierten Boot die Themse buchstäblich hinabbrettert – genau so, wie der Superagent es in Spectre und Die Welt ist nicht genug vormachte.

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Fish&Chips schmeckt auch den meisten Fisch-Verächtern. Als Faustregel gilt: Wer Fischstäbchen mag, wird auch dieses Menü mögen. fotolia.com © gkrphoto

Step 5: Snacktime

Ein ganzer Partytag benötigt viel Energie und zehrt mächtig an den Reserven. Aus diesem Grund sollte sich an die Bond-Tour auch erst einmal ein kleiner Snack anschließen. Natürlich ginge das auch in einem von Londons ganzen 205 McDonalds-Schnellrestaurants. Aber will man in London wirklich das verspeisen, was man auch zuhause haben kann? Denn die leckere und nicht minder fast-foodige Alternative gibt es hier ebenfalls an jeder Ecke: Fish & Chips sind Großbritanniens Antwort auf den Burger und London hat allein in diesem Bereich einige sehr respektable Restaurants vorzuweisen, darunter das Fish! im Botough Market, das für seine großen Portionen legendär ist.  Ein Tipp für deutsche Gaumen: Bei der unvermeidlichen Frage nach „Vinegar“ bloß verneinen, sonst gibt’s Essig auf die Pommes.
Falls das der Partytruppe zu fischig sein sollte, empfiehlt sich überdies auch noch eine echte Londonder Spezialität, die sich zudem auch noch im Gehen genießen lässt, das Sandwich. Für manche ist das nicht mehr als zwei Scheiben Toast mit Belag. In Londons besten Sandwichläden werden auf dieser Basis jedoch echte kulinarische Kunstwerke gebaut, die nicht nur den Magen füllen, sondern auch mit allerlei Exotischem aus aller Welt belegt werden können.

The Boys are back in Town: Junggesellenabschied in London
Auch wenn Junggesellenabschiede feuchtfröhlich sind, sollte man im Hippodrome auf Drinks nverzichten – zu schnell wird man dann risikobereit. fotolia.com © Nejron Photo

Step 6: Karten auf den Tisch

Zugegeben, denkt man an London, kommen einem nicht unbedingt Attribute wie „Casino-Stadt“ in den Sinn, da gibt es auch aber nicht nur in Europa eine Reihe anderer Städte, wie Monte Carlo, Lissabon oder das griechische Loutraki, die diesen Titel sehr viel eher verdienen. Aber London kann auch einige sehr schillernde Casinos vorweisen und um den abendlichen Teil des Junggesellenabschieds einzuläuten, passt es ziemlich gut, sein Glück ein wenig auszutesten.
Das vielleicht berühmteste Casino von Großbritanniens Hauptstadt ist das Hippodrome in der Cranbourn Street direkt gegenüber der Leicester Square U-Bahn-Station gelegen. Das Etablissement wirbt für sich selbst damit, das größte seiner Art auf der Insel zu sein und bietet neben diversen Automaten die Möglichkeit, sich in
•    Roulette
•    Blackjack
•    Baccarat
•    Poker
•    Würfeln
zu versuchen. Besonders junggesellentauglich ist die Tatsache, dass es hier ungleich anderen Casinos keinen Dresscode gibt. Aber: Es empfiehlt sich, pro Kopf einen festen Betrag festzulegen, der verspielt werden darf, ansonsten kann aus der Party ein ziemlich schmerzhafter Kater im Portemonnaie werden.

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Ale vom Fass schmeckt gänzlich anders, als das, was man in Deutschland kaufen kann. Probieren sollte man es unbedingt. fotolia.com © burnel11

Step 7: Ab ins Pub

Über 5000 Pubs kann London vorweisen. Und nach dem noblen, leicht exzentrischen Ambiente im Hippodrome wollen die meisten Junggesellenabschiede es etwas britischer angehen lassen. Dafür sind Pubs bestens geeignet – erst recht im Jahr 15 nach dem Ende der strengen britischen Sperrstundenpolitik, die Pubs ab 23:00 Uhr zwang, ihre Gäste auf die Straße zu setzen.
Wer nun vor dem Hippodrome steht, sollte ein Taxi heranwinken und sich die zehn Minuten bis zur 145 Fleet Street chauffieren lassen. Dort steht nämlich mit dem Ye Olde Cheshire Cheese das vielleicht schönste, mit Sicherheit aber ursprünglichste und wahrscheinlich älteste noch existierende Pub der ganzen Stadt. Schon 1667, direkt nach dem großen Brand von London, wurde es eröffnet und hat seitdem nicht nur Millionen Gäste gesehen, sondern öffnete täglich mit nur äußerst wenigen Unterbrechungen seine Pforten – ganz gleich wie düster die Wolken über dem Empire auch waren.
 Innen sieht es tatsächlich so aus, als würden gleich die Matrosen eines Schiffes einfallen, das gerade aus den westindischen Kolonien angelegt hat, was auch daran liegt, dass – so munkelt man – ein Gutteil der Holzvertäfelungen tatsächlich aus dem Eröffnungsjahr stammen. Ein echtes Kult-Pub. Tipp: Auch, wenn man typisch-deutscher Pilsliebhaber ist, sollte man es sich nicht entgehen lassen, dort einmal ein Ale vom Fass zu probieren.

Step 8: You find me in the Club

London ist nicht nur Finanzmetropole, sondern tatsächlich auch eine der vielleicht besten Nightlife-Locations auf dem europäischen Kontinent. Und als solche kann es mit diversen hochrangigen Clubs aufwarten. Für die Junggesellentruppe und die vorgerückte Stunde ist das vielleicht geeignetste das Whisky Mist, das an der 35 Hetford Street gelegen ist.
Der Club erklärt selbst, einer der Treffpunkte von Londons Prominenz zu sein, die sich gern den von wechselnden und festen DJs aufgelegten R&B- und House-Klängen hingeben. Allerdings ist es unabdingbar, einen Tisch für die Gruppe zu buchen – einfach hingehen und sich in die Schlange stellen wird in der Regel spätestens vom Türsteher beendet.

Step 9: Gute Nacht

Je nachdem, wie lange die Feier im Whisky Mist war, wird die „Nacht“ wohl eher schon ein Morgengrauen sein. Man muss nicht im Hotel genächtigt haben, trotzdem sei aber noch ein letzter Punkt für den verkaterten Magen empfohlen: Ein typisch-britisches, kalorienreiches Frühstück. Wie gut, dass London auch dafür eine ganze Reihe spezieller Lokalitäten aufzuweisen hat, in denen man sich den Party-induzierten Katzenjammer wegfuttern kann, bevor es anschließend auf den Rückflug geht.