Die viktorianischen Friedhöfe in London

Auf den sieben viktorianischen Friedhöfen in London liegen nicht nur Berühmtheiten wie Marx oder Keith Moon von "The Who" begraben, sie dienen auch als Landschaftspark zum Erholen. Auf manchen wie dem Highgate sollen gar Vampire und Geister ihr Unwesen treiben, die schon Vampirjäger anlockten. Andere bieten schattige Waldlandschaften mitten in der Stadt, über die sich nicht nur die Wildtiere freuen.

Sehenswert sind auf jeden Fall die vielen Mausoleen, begehbaren Gruften und gewaltigen Grabdenkmäler, die im viktorianischen, griechischen oder gotischen Stil angelegt sind und jede ihre eigene Geschichte erzählen.

The Magnificent Seven, die glorreichen Sieben

Als "Magnificent Seven", glorreichen Sieben, werden die sieben viktorianischen Friedhöfe bezeichnet, die in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts um den damaligen Stadtkern angelegt wurden. Gründe für die neuen Friedhöfe war zum einen die sprunghaft gestiegene Einwohnerzahl von 1 Million auf etwa 2,3 Millionen zwischen 1801 und 1850, zum anderen der schlechte Zustand der vorhandenen Friedhöfe, die so überlastet waren, dass sie für die Bevölkerung gesundheitsgefährdend waren.

Das britische Parlament beschloss daher im Jahr 1832, größere Friedhöfe außerhalb des Stadtkerns zu errichten. Die Beisetzung auf den alten Friedhöfen wurde verboten. Rund um die Innenstadt entstanden bis 1841 sieben Friedhöfe, die die lange Zeit weitgehend überstanden haben. Sie wurden im viktorianischen Stil ihrer Zeit angelegt. Die reiche Bevölkerung leistete sich imposante Grabstätten mit gewaltigen Mausoleen, großen Grabsteinen mit Engeln oder begehbaren Gruften.

Highgate Cemetery - zwischen Vampiren und Karl Marx

Friedhöfe in London
Bildquelle: Ulrike Graeff

Highgate ist berühmt für seine georgianische Architektur, die viele Stars als Wohnort anzieht, die fast ländliche Umgebung und den alten Friedhof von Highgate im viktorianischen Stil, dessen Atmosphäre für viele Filme genutzt wurde. Der Friedhof wird durch eine Straße in einen westlichen und einen östlichen Teil getrennt.

Ende der Sechziger Jahr meldete die Boulevardpresse Geschichten rund um einen auf dem Friedhof auftauchenden Vampir, den "Highgate Vampire" sowie dort gesichtete Geister wie z. B. eine Frau in Weiß, die wahre Vampirjagden auslösten. Ob die Legenden nur durch die zwei Vampirjäger Seán Manchester und David Farrant gestreut wurden, ist heute nicht mehr zu sagen. Jedenfalls wurden sie von der Polizei dabei erwischt, wie sie mit Kreuzen, Knoblauch und angespitzten Pfahl bewaffnet, des Nachts über den Friedhof schlichen. Als dabei auch Grabstätten beschädigt und Leichen ausgegraben wurden, war die Sache nicht mehr witzig und David Farrant landete im Gefängnis.

Die ganze Geschichte soll Inspiration für den Film "Dracula A.D. 1972 "mit Christopher Lee gewesen sein, der im hippen London der Siebziger spielt.

Auf dem Friedhof Highgate West finden Sie viele Mausoleen und große Katakomben. Eine ägyptische Straße erinnert an den Ägyptenkult der damaligen Zeit, die alte Libanonzeder wacht über die Gräber. Er kann nur in Kombination mit einer Führung besichtigt werden.

Über den Friedhof Highgate Ost dürfen Sie nach Zahlung einer Eintrittsgebühr auch auf eigene Faust gehen. Hier liegen wichtige Persönlichkeiten wie z. B. Karl Marx begraben, der im gleichen Grab mit seiner Frau, der Tochter und der Haushälterin bestattet wurde. Seine Bronzebüste schaut auf den Besucher herab.

Kensal Green Cemetery - der älteste viktorianische Friedhof in London

Friedhöfe in London, Kensal Green Cemetery
Kensal Green Cemetery Bildquelle: Ulrike Graeff

Der Kensal Green Cemetery ist der älteste der "Magnificent Seven". Er wurde im Jahr 1833 eröffnet, ein Jahr nachdem die Anlegung neuer Friedhöfe beschlossen wurde. Die Friedhofsanlage ist nach einem Entwurf von John Griffith im Greek-Rival-Style errichtet, bei dem griechische Architekturelemente nachgeahmt werden.

Auch auf dem Kensal Green Cemetery finden Sie Gräber zahlreicher berühmter Persönlichkeiten. Hier wurde auch eine Gedenktafel an Freddy Mercury entdeckt, dessen Asche verstreut wurde. Zwischen schattigen Bäumen liegen die Mausoleen der Reichen und schmalere Gräber der Personen mit kleinerem Geldbeutel. Die Wege dazwischen wurden so breit angelegt, dass Pferdekutschen darüber fahren konnten.

Der Friedhof wird von einem Verein, der Friends Of Kensal Green, gepflegt. Der Verein bietet auch Veranstaltungen wie z. B. Lesungen zu bestimmten Gräbern und der Geschichte an.

West Norwood Cemetery

Der West Norwood Cemetery liegt im Stadtteil Lambeth und wurde als Zweiter der Magnificent Seven im Jahr 1837 eingeweiht. Der Friedhof ist im neogotischen Stil angelegt. Man betritt ihn durch ein gotisches Tor und findet sich in einer eigenen Welt wieder. Manche Mausoleen wirken wie kleine überwucherte Häuschen, andere wie Kapellen.

Auf dem griechischen Teil des Friedhofs sind orthodoxe Griechen begraben. Die St. Stephen's Chapel ist im Stil mit ihren Säulen eines dorischen Tempels gehalten.

Abney Park Cemetery

Der weitläufige Friedhof Abney Park wurde aus einer Parklandschaft des 18. Jahrhunderts gestaltet. Hier spazieren Sie zwischen dichter Vegetation und teils verfallenen Gräbern. Im Abney Park wurden ein Arboretum mit einem Friedhof kombiniert. Das Naturschutzgebiet ist voller schattiger Bäume und wilder Tier und bietet eine erholsame Ruhe in der Stadt.

Brompton Cemetery

Friedhöfe London

Im Südwesten Londons wurde im Jahr 1840 der Brompton Cemetery eröffnet, auf dem rund 200 000 Gräber in einem grünen Park liegen. Im Feld des Krematorium Golders Green liegt die Asche von Berühmtheiten wie der Schriftstellerin Enid Blyton (Hanni und Nanni), dem Popstar Keith Moon (The Who) oder Sigmund Freuds, dem Begründer der Psychoanalyse.

Der Friedhof wird von den Londonern gerne als Parkanlage genutzt.

Der Brompton Cemetery liegt in der Nähe des Earls Court, West Brompton zwischen der Fulham und der Old Brompton Road. Er wird von den "Royal Parks" verwaltet. Er ist im "Historic England’s Register of Historic Parks and Gardens" gelistet.

Nunhead Cemetery

Der Nunhead Cemetery ist einer der weniger bekannten Londoner Friedhöfe und wurde im Jahr 1840 eröffnet. Er ist der zweitgrößte der "Magnificent Seven" und der wildeste, was den Pflanzenwuchs betrifft. Fast 270.000 Menschen wurden hier begraben. Von einem Hügel des Friedhofes können Sie auf St. Pauls Cathedral schauen.

Seit ein paar Jahren wird er von dem Verein "Friends of Nunhead Cemetery", FONC, betreut und restauriert. Der Friedhof liegt in der Linden Grove, South London, die nächste U-Bahnhaltestelle ist Nunhead.

Tower Hamlets Cemetery

Friedhöfe London

Der Tower Hamlets Cemetery wurde als Letzter der "Magnficent Seven" im Jahr 1841 eröffnet. Er ist mittlerweile ein Naturreservat. Der Friedhof wird von "Friends of Tower Hamlets Cemetery Park" betreut und liegt im East End von London. Das Waldstück inmitten der Stadt wurde der Öffentlichkeit im Jahr 1966 zugänglich gemacht. Die Besucher erfreuen sich einer wilden Natur mit vielen Tierarten von Vögeln, Füchsen bis zu Schmetterlingen.