Wetttradition in Großbritannien

Das Wetten hat eine lange Tradition in Großbritannien, das bezieht sich nicht nur auf Sportwetten. Von Pferderennen bis hin zu Regentropfen wurde in der bewegten Geschichte schon auf alles gewettet. 

Ein Jockey und sein Pferd bewegen sich auf die Ziellinie zu, im Hintergrund ist verschwommen eine Zuschauertribüne mit Menschen zu sehen.
Bild: Insbesondere Pferderennen aber auch skurrilere Wetten haben sich schnell in England etabliert. Bildquelle: Vladimir Hodac – 626589068 / Shutterstock.com

Wetten lassen sich heutzutage an jeder Ecke der digitalen und der realen Welt abschließen. Anreize gibt es hierfür genug. Verschiedenste Online-Plattformen vergleichen sogar die zahlreichen Wettanbieter nach verschiedenen Kriterien. Eines der wichtigsten Vergleichskriterien ist laut sportwettentest.net die Höhe der Boni und die jeweiligen Voraussetzungen. Das Wetten ist sicher kein neues Phänomen. Auch wenn es früher nicht so einfach war, eine Wette abzuschließen, haben sich viele Menschen - insbesondere Engländer - nicht davon abhalten lassen. Inzwischen lassen sich Einsätze auf den Ausgang der US-Wahl oder der Oscar-Verleihung tätigen. Manche Menschen wetten sogar darauf, ob es in diesem oder in den folgenden Jahren weiße Weihnachten geben wird.

Wer hat das Wetten erfunden?

: Infografik über Wettgeschichte und Glücksspielverluste
Infografik: Eine kurze Geschichte der Wette und Länderranking der größten Verluste durch Glücksspiel 2014. Infografikquelle: Eigene Darstellung

Das Wetten ist ein untrennbarer Teil der Menschheitsgeschichte, wie sich am Beispiel Englands und seiner teils skurrilen Wetthistorie aufzeigen lässt. Ihre Ursprünge hatte die Wette allerdings schon in der Antike und wurde bis ins alte Rom weiter getragen. Gelegentlich verwetteten Bürger gehobenerer Klassen sogar ihr gesamtes Hab und Gut bei einem einzigen Wettkampf. Die Wettkultur, wie wir sie heute kennen, entstand allerdings tatsächlich erst im England des 18. Jahrhunderts und vollzog sich in folgenden Schritten:     

•    Pferderennen wurden sehr populär

•    die Entstehung des Buchmacher-Berufstands

•    Buchmacher-Unternehmen entstehen

•    steigende Popularität des Fußballsports und Einführung von Fußballwetten

•    offizielle Legalisierung des Wettens Mitte des 19. Jahrhunderts

Wie das Glücksspiel in England entstand

Deutsche England-Reisende wie z.B. Händler-, Kunst-oder Buchsammler u.v.m. waren schon im 18. Jahrhundert erstaunt über die Wettfreudigkeit der Engländer. Ein besonderes Augenmerk legten die Briten auf die Pferdezucht sowie die verschiedenen Wettbewerbe zwischen Pferden und deren Jockeys. Zuvor arbeiteten die Jockeys als Dienstboten von Pferdezüchtern und Pferdebesitzern. Erst später wurden diese Reiter zu Athleten professionalisiert.

Wer hat gewettet?

Der Reiz der Wette war auch im Rest Europas nicht unbekannt, allerdings konzentrierte man sich in England wesentlich intensiver auf diesen Aspekt der verschiedenen Wettkämpfe. Wie schon in der Zeit der Antike oder des römischen Reiches setzten auch die Briten gerne mal ihr gesamtes Vermögen auf eine einzige Wette. Aber nicht nur auf Pferde, sondern auch auf Kampfhähne oder Menschen wurde gesetzt. Bei den Menschen, auf die gesetzt wurde, handelte es sich aber nicht immer um Athleten:

•    Mägde liefen für ein neues Hemd um die Wette

•    Knechte bestritten ebenfalls Wettrennen für einen neuen Hut

•    Kriegsgeschädigte Veteranen organisierten Kricketspiele, wo Mannschaften, in denen die Mitglieder z.B. ein Holzbein hatten, gegen Mannschaften mit Holzarmen antraten    

Die Kommerzialisierung jeglicher Sportarten schritt also munter voran und entsprechend stiegen auch Preisgelder, Eintrittsgelder und Legegelder weiter an.

Warum waren Pferderennen so beliebt?

Am populärsten erwiesen sich jedoch weiterhin die Pferderennen. Die Wetten gestalteten sich im Laufe der Zeit immer komplexer. So setzte man nicht nur auf das Gewinnerpferd, sondern es konnte auch darauf gewettet werden, wie ein spezifisches Rennen ausgeht. Die Wetten erwiesen sich also so erfolgreich, dass sie für den Sport eine zusätzliche und sehr lukrative Einnahmequelle darstellten. Am Ende des 19. Jahrhunderts gewann auch der Fußballsport immer mehr an Popularität. So ist es nicht verwunderlich, dass 1921 die ersten Fußballwetten abgeschlossen wurden. England war also beim Wetten auf Pferderennen und beim Fußball ein großer Wegbereiter.

Wie arbeiteten Buchmacher?

Zwar legalisierte England das Wetten offiziell erst 1961, allerdings entwickelte sich der Berufsstand des sogenannten Bookmakers (zu deutsch: Buchmacher) schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Zuvor war das professionellere Wetten vor allem in sogenannten Gentlemen’s Clubs gang und gäbe. Erst Ende des 18. Jahrhunderts führte die erfolgreiche Wettwirtschaft zu den ersten Buchmachern. Einige davon sind sogar heute noch existent, denn Sportwetten und Glücksspiel sind immer noch ein großer Bestandteil englischer Kultur:

Ladbrokes

Der Wettanbieter Ladbrokes wurde 1886 von W.H. Schwind und Mister Pennington gegründet. Ursprünglich planten beide, Pferde strategisch so zu trainieren, dass sie anschließend auf der Rennbahn entsprechend gewinnbringend wetten konnten. Erst 1902 wird dieses ursprüngliche Geschäftsmodell in ein typisches Wettunternehmen umgebaut, das in der englischen Hauptstadt London ihren Hauptsitz fand. Die Zielgruppe bestand damals noch aus dem finanziell gut gestellten Adel und generell den gehobeneren Klassen der Gesellschaft. Mit dem Aufkauf durch Cyril Stein und Max Parker 1956 sollten die nächsten Evolutionsschritte folgen:

•    ab 1961 wurden Wetten über das Telefon angenommen

•    1967 wagte sich das Unternehmen an die Börse Londons

•    1998 erkannte Ladbrokes das Potential des World Wide Webs und stellte sein Angebot auch im Internet bereit.

BetVictor

Victor Chandler gründete erst 1946 das Wettunternehmen BetVictor. Das Wettgeschäft kannte er in und auswendig, denn sein Vater, William Chandler, war schon in den 20er Jahren als Buchmacher unterwegs. Dieser gründete sogar selbst ein Stadion, in dem Greyhound-Rennen ausgetragen wurden. Victors Bruder durfte das Geschäft des Vaters übernehmen, während Victor selbst etwas Eigenes aufbauen wollte. Dabei war er leider erfolglos. Als er 1974 starb, war das Geschäft mehr oder weniger ruiniert. Sein 22jähriger Sohn, Victor Chandler Jr., der das Unternehmen nach dem Tod seines Vaters übernahm, konnte das Wettgeschäft jedoch erfolgreich sanieren, indem er sich besonders auf gut betuchte Kunden konzentrierte. Das Unternehmen ist heute noch als „king of the high rollers" bekannt und spricht weiterhin eine reichere Klientel an.     

Skurrile Wetten in Großbritannien

Wette Geschichte hinter der Wette
Regentropfen-Rennen Zwei bekannte Adlige wetteten Ende des 19. Jahrhunderts in einem Gentlemen`s Club auf zwei Regentropfen, welche die Fensterscheibe hinunterliefen. In der Wette ging es darum, welcher der beiden Tropfen als erstes den unteren Rand der Scheibe erreicht. Einer der beiden Gentlemen soll sogar sein gesamtes Vermögen aufs Spiel gesetzt und verloren haben.
Mondlandungswette Ein Einwohner der Stadt Preston wettete 10 Pfund darauf, dass Ende 1969 ein Mann auf den Mond landet und bekam 10.000 Pfund ausbezahlt.
Großvater wettet auf die Zukunft des Enkels Der Großvater Peter Edwards setzte im Jahr 2000 50 Pfund darauf, dass sein Enkelsohn Harry Wilson irgendwann für die Nationalmannschaft von Wales auflaufen würde. Der Wettanbieter William Hill akzeptierte die skurrile Wette. Und tatsächlich fing der Enkel Harry Wilson schon früh mit dem Fußball an und wurde 2013 bereits ein Nachwuchsstar und mit 16 Jahren bei einem Spiel für die walisische Nationalmannschaft eingesetzt. Somit konnte sein Großvater 125.000 Pfund gewinnen.
Wetten auf das Wetter Mit einer relativ geringen Quote von 10:1 boten britische Buchmacher Wetten auf das Wetter für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika an. Die Quote war so niedrig, weil die Buchmacher es durchaus für wahrscheinlich hielten, dass der Winter einbrechen könnten, weil ab Juni der meteorologische Winter auf der Südhalbkugel beginnt

Tabelle: Die Briten sind verrückt nach Wetten und schließen dementsprechend verrückte Wetten ab. Wetten auf das Wetter, die Mondlandung, auf Regentropfen und auf die Zukunft des Enkelkindes sind nur ein paar der skurrilen Wettereignisse in der Geschichte Englands.